Erläuterungen zu Kartierungen im Rahmen der Linienbestimmung

Im Zuge des Linienbestimmungsverfahrens sind verschiedene Vorarbeiten erforderlich, darunter die Bestandserfassungen der Tier- und Pflanzenarten sowie biologische Kartierungsarbeiten. Diese dienen der Ermittlung und Erweiterung der Datengrundlage, um die Vereinbarkeit dieses Straßenbauvorhabens mit natur- und artenschutzrechtlichen Aspekten zu prüfen.

Untersuchungsgebiet

Informationen zu den Kartierungsarbeiten / Trassenbesichtigungen

Für die Kartierungen ist es erforderlich, land- oder forstwirtschaftlich genutzte, private und öffentliche Wege sowie im Einzelfall Grundstücke zu betreten und/oder zu befahren. In der Regel werden sie zu Fuß durchgeführt und die Dauer hängt vom jeweiligen Umfang der Kartierung ab. Sie kann zwischen 15 Minuten bis zu mehreren Stunden pro Tag in Anspruch nehmen. Der zeitliche Ablauf der Untersuchungen hängt von äußeren Umständen ab, z. B. von örtlichen Gegebenheiten und witterungsbedingten Verhältnissen.

Bei den Trassenbesichtigungen werden Umweltdaten sowie die örtlichen Gegebenheiten mit Blick auf geografische, faunistische und floristische Gesichtspunkte ermittelt. Die Trassenbefahrungen erfolgen in der Regel in der Regel durch Kleingruppen von zwei Personen mit einem üblichen Pkw. Vorrangig werden öffentliche Wege genutzt; Privatwege werden nur dort befahren, wo es unbedingt notwendig ist. Es werden fotografische Aufnahmen und Notizen angefertigt. Weiterhin kommen die unten aufgeführten Hilfsmittel jeweils artspezifisch zum Einsatz.

Kartierungsarbeiten

Durch Kartierungen werden Artengruppen in einem definierten Gebiet auf sogenannten Datenkarten erfasst, so dass die Lebensräume hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Naturhaushalt und Artenschutz bewertet werden können. Dies bedingt eine konkrete Überprüfung der im Untersuchungsraum betroffenen Grundstücke.

Um ein landschaftsökologisches Gesamtbild zu bekommen, werden eine Reihe von Methoden eingesetzt, die im Folgenden näher erläutert werden und der Darstellung, Sammlung und Auswertung raumbezogener Daten dienen.

Ort und Zeit der geplanten Maßnahmen

Die beschriebenen Kartierungen können zeitlich versetzt erfolgen. Der Ablauf orientiert sich an den Lebenszyklen der Flora und Fauna und hängt zudem von äußeren Umständen wie der Witterung ab. Das kann zu kurzfristigen Änderungen führen. Des Weiteren sind Umfang und Art der Kartierungen abhängig von der jeweiligen Art bzw. Artengruppe, die kartiert wird. Je nach Artengruppe erfolgen Begehungen und Sichtbeobachtungen. Zusätzlich kann das Ausbringen von Lockstöcken oder Hochboxen vorgesehen sein.

Zu beachten ist, dass nicht alle Flurstücke innerhalb des Untersuchungsraums von jeder Kartierungsmethode betroffen sind. Vielmehr werden auf den einzelnen Flurstücken angepasste Kartierungen durchgeführt, die den dort vorgefundenen Lebens- und Naturräumen Rechnung tragen. Somit ist es möglich, dass auf einzelnen Flurstücken im Untersuchungsraum nur ein Teil dieser Kartierungen durchgeführt oder dass die Grundstücke mehrfach oder gar nicht betreten werden müssen. In der Regel entstehen durch Begehungen keine Flurschäden. Es werden keine Maschinen eingesetzt.

Die Kartierungen finden in der Regel an Werktagen statt. Der zeitliche Umfang der einzelnen Kartierungen ist artspezifisch und dauert von 15 Minuten bis zu mehreren Stunden am Tag und in der Nacht. Teilweise müssen die Kartierungen wiederholt durchgeführt werden.

Methoden der Kartierung

Verhören, Sichtbeobachtungen, Begehungen

Hierbei wird eine Fläche visuell beziehungsweise akustisch erfasst, um beispielsweise das Vorkommen bestimmter Vogelarten oder den Biotop- und Nutzungstyp sowie einzelne Pflanzenarten der Fläche festzustellen. Für die Brutvogelkartierung werden mehrere Tag- und auch Nachtbegehungen auf ausgewählten Probeflächen durchgeführt. Die Erfassung erfolgt zu Fuß oder von Wegen aus. Zur Unterstützung kann auch ein Fernglas oder bei Fledermäusen ein Ultraschalldetektor eingesetzt werden. Im Bereich von Amphibiengewässern finden die Maßnahmen ebenfalls nachts statt.

Baumhöhlenkartierung und Horstsuche

Zu den vorbereitenden Maßnahmen gehört die Durchführung einer Baumhöhlenkartierung. Die Begehungen erfolgen vorrangig in der laubfreien Zeit, überwiegend in den Wintermonaten, gegebenenfalls werden ergänzende Untersuchungen im Sommer durchgeführt. Sie dienen im Wald und an Gehölzen (z.B. Feldhecken) der Identifikation von Höhlenbäumen und Horsten von Großvögeln. Bei Baumhöhlenkartierungen wird die Fläche des Untersuchungsgebietes systematisch abgesucht, und jeder einzelne Baum wird von allen Seiten nach Höhlen, Spalten oder ausgefaulten Astabbrüchen visuell geprüft.

Bei der Horstsuche ist es möglich, einen größeren Bereich von einem Punkt aus nach Großnestern und Horsten abzusuchen. In der Regel müssen dazu öffentliche/ private Wege nicht verlassen und private Grundstücke nicht betreten werden.

Handfänge und Kescherfänge

Hand- und Kescherfänge können zum Nachweis beziehungsweise zur Bestimmung von Amphibien, Reptilien, Heuschrecken und Libellen durchgeführt werden. Die Flächen werden dabei zu Fuß begangen.

 

Haselmaustube

Ausbringen von Haselmaus-Niströhren/Nistkästen

Das Ausbringen von Niströhren erfolgt in Wäldern und Gehölzen, um gegebenenfalls den Nachweis eines Haselmausvorkommens zu erbringen. Dabei werden die in Frage kommenden Flächen zu Fuß begangen, um möglichst geschützte und störungsarme Standorte zu finden. Dort werden kleine Kästen oder Plastikröhren in Büschen und Bäumen befestigt, in denen die Haselmäuse ihre Nester bauen können.

Ausbringen von Lockstäben

Die Methode zur Erfassung von Wildkatzen basiert auf Haarfallen. Um das Wildkatzenvorkommen zu erfassen, werden Lockstöcke (Holzpflöcke) im Gelände verteilt und über festgelegte Zeiträume auf Wildkatzenhaare untersucht. Die Lockstöcke werden mit einer Tinktur eingesprüht, da vor allem männliche Wildkatzen in der Paarungszeit (von Januar bis März) bis zu einem Kilometer den Lockstoff riechen. Die Tinktur i.d.R. Baldrian veranlasst die Tiere, sich an den Pflöcken zu reiben, wodurch Haare am rauen Holz hängen bleiben. Die Haare werden gesammelt und die anschließende Analyse der Haarprobe im Labor ermöglicht, zwischen Haus- und Wildkatzen zu unterscheiden.

Lockstock
Fledermaus-Horchbox

Horchboxen für Fledermäuse

Auf ausgewählten Flächen werden durch Nachtbegehungen in den Sommermonaten Fledermäuse erfasst. Zusätzlich können vereinzelt auch sogenannte Horchboxen eingesetzt und temporär angebracht werden, die automatisch Ultraschalllaute aufzeichnen. Mit diesen lassen sich Fledermausarten identifizieren. Kommen Fledermausarten vor, deren Wochenstuben sich in Baumhöhlen befinden, werden an geeigneten Standorten an einzelnen Abenden fortwährend Kontrollen durchgeführt.

Ausbringen von künstlichen Verstecken

Künstliche Verstecke aus Schaltafeln, Profilblechen, Bitumenwellpappen, Dachziegeln oder Teichfolien werden an besonnten Positionen im Gelände ausgebracht und gesichert. Die Verstecke werden regelmäßig im Rahmen von Transektbegehungen kontrolliert, um darunter gefundene Reptilien zu dokumentieren. Die Begehung erfolgt zu Fuß.

Strukturerfassung für xylobionte Käfer („Totholzkäfer“)

Hierbei werden gezielt Strukturen wie Totholz und Mulmhöhlen an Bäumen erfasst, die Lebensraum für holzbewohnende Käferarten bieten. Die Begehung erfolgt idealerweise in der laubfreien Zeit, um die Strukturen leichter zu identifizieren. Geeignete Bäume werden markiert, verortet und anschließend einer Detailuntersuchung unterzogen, um vorkommende Käferarten zu bestimmen.

Ansprechpartner und weitere Informationen:

Wir danken im Voraus den betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümern sowie sonstigen Nutzungsberechtigten für ihr Verständnis und ihre Unterstützung.


Für Fragen zur Kartierung oder zur möglichen Betroffenheit Ihres Grundstücks wenden Sie sich bitte per E-Mail an das Projektteam:
B29n@ostalbkreis.de